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Unter einem Franchise bzw. Franchising versteht man die Kooperation zwischen zwei oder mehreren selbstständigen Unternehmern. Auf der einen Seite steht der Franchisegeber und auf der anderen der oder die Franchisenehmer.
Der Franchisegeber ermöglicht dem Franchisenehmer mit seinen Dienstleistungen und Produkten unter seinem eigenen Namen ein Unternehmen zu betreiben. Die Geschäftsidee so wie ein Absatz – und Organisationskonzept wird vom Franchisegeber entwickelt. Des Weiteren muss er für den Ausbau des Franchisesystems sowie für die Ausbildung des Franchisenehmers sorgen. Der Franchisenehmer erhält im Gegenzug das Recht, ein erprobtes Geschäftskonzept in einer festgelegten Region zu nutzen. Zudem wirkt sich die Positionierung des Franchiseunternehmens auf dem Markt bzw. der Bekanntheitsgrad einer etablierten Marke sowie Einkaufsvorteile positiv auf den Erfolg des Franchisenehmers aus. Für Franchise Angebote sind in der Regel eine Eintrittsgebühr sowie laufende, vom Umsatz abhängige Gebühren zu zahlen. Der Vorteil für den Franchisegeber liegen in einem schnelleren und relativ kapital- und risikoarmen Wachstum seines Franchisekonzeptes, da die Franchise Partner rechtlich gesehen eigenständige Unternehmer sind. Neben der klassischen Existenzgründung in Vollzeit gibt es auch Systeme, die eine Tätigkeit in Heimarbeit oder als Nebenjob erlauben.
Laut dem Deutschen Franchise Verband wird das Thema Franchise in Deutschland immer beliebter. In 2010 gab es hierzulande fast 1.000 Franchisesysteme, die einen Umsatz von 55 Mrd. Euro erwirtschafteten. Rund 463.000 Arbeitnehmer waren in der Franchise Branche beschäftigt und die Zahl der Franchisenehmer stieg um 7,4 Prozent auf 65.500. Der Großteil der Franchise Ideen kommt aus dem Dienstleistungssektor (46 Prozent), gefolgt vom Handel (32 Prozent), der Gastronomie und Hotellerie (15 Prozent) sowie dem Handwerk (7 Prozent).
Der Franchisenehmer profitiert von dem Know-how und der langjährigen Erfahrung eines bewährten Systems mit einer bekannten Marke. Bei einer Gründung z.B. im Internet ist meist mehr Aufbauarbeit zu leisten - im Franchising werden die Risiken, die eine Existenzgründung mit sich bringt, weitgehend reduziert und die Existenzgründungsrisiken minimiert. Der Franchisegeber stellt erprobte und erfolgreiche Produkte oder Dienstleistungen zur Verfügung. Der einzelne Franchisenehmer wird Partner einer Gruppe gleichartiger Unternehmer, in der der Franchisegeber ein effizientes Markteting für die gesamte Firmengruppe betreibt. Franchising bedeutet eine strikte Arbeitsteilung, die im Verbund gemeinsam umgesetzt wird.
Der Franchisegeber kann überregionale Werbeaktivitäten entwickeln, von denen jeder Franchisenehmer vor Ort profitiert. Das einheitliche Auftreten auf dem Markt als Gruppe und die Bildung einer Marke ermöglichen ein starkes System-Image. In vielen Bereichen hat sich so Exklusivität für ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung herausgebildet. Der Franchisenehmer kann sich auf das konzentrieren, was er selbst am besten bewerkstelligen kann, nämlich den Verkauf und braucht sich um die Voraussetzungen, die den Verkauf ermöglichen und fördern, kaum zu kümmern. Der Franchsisenehmer kann bereits bei seiner Investitionsentscheidung abschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit er Erfolg haben wird. Aus der Bandbreite der Erfahrungen mit anderen Franchisenehmern kann ein Businessplan abgearbeitet werden, der vorgegebene Wege aufzeigt und die Richtung bestimmt. Die Kundschaft ist direkt ansprechbar. Auch der Kunde weiß von vornherein, was er erwarten darf. Er muss nicht erst aufmerksam gemacht werden, dass etwas Neues angeboten wird, er ist vorab informiert und kann gezielt kaufen.
Der Franchisegeber kann für seinen Franchisenehmer, der regional aktiv werden will, die Marktchancen qualifiziert beurteilen und ihm einen effizienten Finanzplan ausarbeiten. Fehlversuche werden minimiert, der Franchisenehmer braucht nicht verschiedene Wege auszuprobieren, sondern kann sich sogleich auf die richtige Spur setzen. Die Kostenteilung für Werbemaßnahmen und Marketing ermöglicht ihm ein starkes Erscheinungsbild, das er so alleine nicht oder allenfalls nach Jahren für sich errichten könnte. Aufgrund der Arbeitsteilung im System, die eine Konzentration der Aufgaben vor Ort ermöglicht, ist ein relativ schnelles Wachstum und die Etablierung auf dem regionalen Markt möglich. Der beständige Erfahrungsaustausch und die Weiterentwicklung des Systems liefern ständig neue Erkenntnisse und Ideen. Der Franchisenehmer profitiert von dem bereits vorhandenen Firmenimage und genießt die Vorteile des Großeinkaufs an Waren oder Dienstleistungen. Der Franchisegeber gewährt fortlaufend Schulung und Beratung. Gleichzeitig bleibt der Franchisenehmer innerhalb des Systems vollkommen selbständig. Mit seinem Einsatz bestimmt er sein Einkommen. Mit seiner Initiative bestimmt er, wie schnell er das ihm zugänglich gemachte Geschäftspotential nutzen und sich selbst zum Erfolg führen kann. Es ist statistisch belegt, dass die Insolvenzrate bei Franchisegründungen deutlich niedriger liegt als bei unabhängigen Unternehmensgründungen.
Das Franchising, das unbestreitbare Vorzüge hat, weist auch einige Nachteile auf, die teilweise im System selbst begründet liegen, andererseits auch während der Durchführung eintreten können - sei es, dass die Partner nicht zusammenpassen, sei es, dass sich die Geschäftspolitik des Franchisegebers ändert oder einer der beiden Partner in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Die Nachteile im Überblick:
Der unternehmerische Gestaltungsspielraum ist eingeschränkt, ein Effekt, der im System liegt. Schließlich ist Franchising gerade so erfolgreich, weil ein Geschäftsmodell 1 : 1 übernommen wird. Das lässt aber nur noch wenig, bisweilen keinen Spielraum für eigene Entscheidungen. Der Franchisenehmer kann auf die Geschäftspolitik des Franchisegebers kaum Einfluss nehmen, er muss sich also über die Laufzeit des Vertrages an die Vorgaben halten. Dazu gehören auch vorgeschriebene Abnahmemengen von Gütern und deren Bezugsquellen. Sie sind teilweise mit anderen Angeboten schlecht vergleichbar, und wenn, nutzt das nichts, wenn die Abnahme über den Franchisegeber und dessen Lieferanten vertraglich vorgeschrieben ist. Auch den richtigen Franchisegeber zu finden kann schwierig sein, sowohl geschäftlich als auch menschlich. Und schließlich muss das Geschäftsmodell auch fachlich zum Franchisenehmer passen. Leistungen des Franchisegebers können im Vorfeld schlecht bewertet werden, die Transparenz ist von vornherein eingeschränkt, weil es (berechtigte) Geheimhaltungsbedürfnisse des Franchisegebers gibt. Nach Vertragsende kann der Franchise-Nehmer nicht unbedingt frei über sein Unternehmen verfügen, in der Regel gibt es nachwirkende Wettbewerbsverbote. Auch ein Verkauf oder eine Vererbung kann durch den Franchise-Geber eingeschränkt werden. Trotz dieser Nachteile trägt der Franchise-Nehmer das volle unternehmerische Risiko.
Die Auswahl der Franchise-Partner kann sich schwierig gestalten, große Franchise-Systeme setzen daher strenge Kriterien an. Auch wenn (scheinbar) der Franchise-Geber kaum ein Verlustrisiko trägt, so trägt er doch das Risiko des entgangenen Gewinns- ein anderer Franchisenehmer hätte im entsprechenden Gebiet vielleicht viel höhere Umsätze erwirtschaftet - und das Risiko des Imageverlustes seiner Produkte. Vertragskündigungen sind aber problematisch, beide Seiten binden sich in der Regel relativ lange, selten unter fünf Jahre, manchmal für Jahrzehnte. Die Einnahmen des Franchise-Gebers können relativ gering ausfallen, trotz des Aufwandes für Schulung und Betreuung des Franchisegebers. Im schlimmsten Fall entstehen sogar leichte Verluste. Sollte es zu Streitigkeiten mit dem Franchisenehmer kommen, wirkt sich das in der Regel negativ auf das gesamte System aus - Kunden, Geschäftspartner und andere Franchisenehmer erfahren davon. Der Franchisegeber hat zudem vorinvestiert. Das Lehrgeld, das sich der Franchisenehmer erspart, hat der Franchisegeber irgendwann bezahlt. Es sollte sich nun durch das Franchisesystem verzinsen. Und diese Systeme werden auch weiterentwickelt. Der Franchisegeber ist also darauf angewiesen, dass auch während laufender Verträge die Franchisenehmer seiner Geschäftspolitik folgen, zum Beispiel bei Produkterweiterungen, die durch den Franchisegeber aufwendig beworben werden. Hinsichtlich der Kosten könnte es für den Franchisegeber lukrativer sein, die Risiken selbst zu übernehmen und dabei einen höheren Gewinn zu erzielen, den er sich jetzt mit dem Franchisenehmer teilt.
Der Begriff Franchising tauchte zum ersten Mal im Mittelalter auf, um genau zu sein in Frankreich. Damals ging es allerdings weniger um das Weitergeben eines funktionierenden Geschäftsmodells, sondern mehr darum, Händler von Zöllen, Steuern und Vasallendiensten zu befreien. Der Begriff wandelte sich dann in die Erlaubnis des Betriebs von Messen auf dem Grund und Boden des Feudalherren. Die ersten Franchisekonzepte wurden im 17. und 18. Jahrhundert vom Staat vergeben. So durften Händler Privilegien nutzen. Die heutige Bedeutung als Weitergabe von Rechten Dritter für die kommerzielle Nutzung erhielt das Wort Franchising erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Das System der Weitergabe von Rechten Dritter musste aber erst in die USA auswandern, um zu einem echten Erfolg zu werden. Anfangs ging es allerdings eher darum, die Erlaubnis zu erteilen, eine Ware des ursprünglichen Herstellers in eigenem Namen und auf eigene Rechnung verkaufen zu dürfen.
Erst im Laufe der Zeit entstand das System, dass komplette Geschäftsmodelle weitergegeben wurden. Es beinhaltet auch Dinge wie die Weitergabe von Rezepturen. In der mordernen Variante, die heute als Franchising gilt, werden bei der Übergabe eines solchen Konzepts komplette Geschäftssysteme weitergegeben. Der Franchisenehmer wird oft auch von dem Franchisegeber geschult, es werden oft auch in regelmäßigen Abständen Schulungen abgehalten. Die modernen Franchisekonzepte sind so umfassend, dass sie ganze Werbekonzepte enthalten, es werden Geschäftsausstattungen systematisch weitergegeben. Als Gegenleistung gibt es verschiedene Systeme. Die Franchisezahlung erfolgt entweder als Pauschale oder als anteilige Beteiligung am Gewinn. Damit der Firmenauftritt des Franchisegebers einheitlich ausfällt, hat der Franchisenehmer die Möglichkeit, Geschäftsunterlagen und bestimmte Verbrauchsartikel günstig zu erwerben. In diesem Fall kann er von den Großabnehmerrabatten profitieren.
Nach dem zweiten Weltkrieg, etwa in den 60-er Jahren verbreitete sich die Idee des Franchisings. Der wirkliche Durchbruch ergab sich auch in Europa in den 70-er Jahren. Bis zum heutigen Tag gibt es weltweit etwa 17.000 Franchisesysteme. Dabei gibt es an und für sich keine speziellen Gebiete, in denen besonders gern Franchise angeboten wird. Besonders wirkungsvoll ist es allerdings, wenn es sich um ein erklärungsbedürftiges oder besonders aufwändiges Produkt handelt. Je größer die Zahl der Franchisenehmer, desto mehr kann der Einzelne von den Mengenrabatten profitieren. Der Franchisegeber hat den unschlagbaren Vorteil, dass er sein Geschäft zunächst landesweit, später international vermarkten kann, ohne dass er selbst den Aufwand damit hat. Seine wesentliche Aufgabe besteht in der Auswahl guter Kandidaten, in der Versorgung mit den notwendigen Informationen und Schulungen, sowie in der Überwachung der Einhaltung des einheitlichen Konzepts. Die Werbung kann er einheitlich gestalten und auch von größeren Rabatten profitieren.










